Läuft bei mir (4/2023): Neue Staffeln, eine neue Serie und ein besonderer Hörtipp

Endlich gibt es auch in Deutschland die finale Staffel von „Motherland: Fort Salem“ zu sehen, außerdem eine neue Staffel von „Wir“. Die neue Serie „High School“ macht Lust auf mehr und ich habe einen Hörtipp, der mir besonders am Herzen liegt.

Für Fans der Serie Motherland: Fort Salem gab es vergangene Woche gleich zwei Überraschungen: Zum einen, dass – ganz ohne Ankündigung – die dritte und leider letzte Staffel endlich auch in Deutschland veröffentlicht wurde. Zum anderen wo die Staffel veröffentlicht wurde: Nicht mehr, wie die vorherigen Staffeln, bei Amazon Prime, sondern bei Disney+. Das war zwar fast zu erwarten, nachdem dort seit einigen Monaten auch schon die ersten beiden Staffeln verfügbar sind. Das aber so gar nicht zu kommunizieren, ist irgendwie schwach, und zwar sowohl von Amazon Prime als auch von Disney+.

Wie dem auch sei, ich habe am Wochenende gleich reingesehen und mich über das Wiedersehen mit Raelle, Scylla, Tally, Abigail und ihren Verbündeten aus Fort Salem gefreut. Ich habe mich aber noch aus einem anderen Grund gefreut, der nichts mit dem Inhalt der Serie selbst zu tun hat. Denn jede Folge, bei der am Ende des Vorspanns „Directed by Amanda Tapping“ steht, erinnert mich an einen wunderbaren Abend in London vor einigen Monaten. Da saß ich an einem Tisch mit Amanda Tapping und sie hat u.a. von den Dreharbeiten zu eben dieser dritten Staffel erzählt, bei der sie nicht nur als Regisseurin, sondern auch als Produzentin fungiert hat.

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Queere Frauenfiguren in deutschen Serien: Von „Marbecca“ zu „Mieke“ (Ein Jubiläumsbeitrag)

Im Oktober 2012 habe ich zum ersten Mal eine Übersicht mit queeren Frauenfiguren in deutschen Serien veröffentlicht. Seitdem hat sich nicht nur die internationale, sondern auch die deutsche Serienwelt weiterentwickelt. Und trotzdem: In Sachen Vielfalt haben viele deutsche Produktionen immer noch Nachholbedarf.

Wer hier schon ein bisschen länger mitliest weiß, dass ich mich regelmäßig mit der Frage beschäftige, welche queeren Frauenfiguren es in deutschen Serien gibt und vor allem wie viele.

Angefangen hat das im Oktober 2012. Ich habe zwar auch schon vorher über frauenliebende Frauen in deutschen Serien geschrieben, jedoch nur punktuell und anlassbezogen. Die Veröffentlichung der Studie “Where We Are on TV“, die regelmäßig von der amerikanischen Lobby-Organisation GLAAD herausgegeben wird, hat mich aber 2012 dazu gebracht, mal zu überlegen, wie es eigentlich allgemein in deutschen Serien aussieht. Das Ergebnis war ernüchternd, insbesondere im Vergleich mit den Zahlen aus den USA. Ich kam auf acht Figuren in sieben Serien: Rebecca und Marlene von Lahnstein (alias „Marbecca“) in Verbotene Liebe, Tanja Schildknecht in Lindenstraße, Bärbel Schmied in Mord mit Ausschicht, Lucy Palm ind Hannah Mangold & Lucy Palm, Dr. Heike Steinbeck in Die Chefin, Dr. Helga Dunkel in Einsatz in Hamburg und Karin von Lomanski in Rosa Roth.

Mehr Frust als Lust

In den vergangenen zehn Jahren hat sich diese Zahl zum Glück zum Positiven entwickelt, wenn es auch anfangs nicht so aussah. Tatsächlich wurde die Liste zunächst sogar kürzer statt länger. Das hing auch damit zusammen, dass 2015 Verbotene Liebe eingestellt wurde, bis dahin ein verlässlicher Lieferant queerer Storylines wie z.B. die von „Marbecca“. Die noch verbliebenen „Dailies“, insbesondere in der ARD, taten sich dagegen schwer mit Liebesgeschichten zwischen Frauen. 2016 war ich von der Entwicklung insgesamt so frustriert, dass ich mir in einem „Rant“ auf meinem Blog Luft machte. Kurz danach durfte ich dazu auch einen Artikel für die taz schreiben.

Besser wurde es leider trotzdem nicht, zumindest nicht sofort. Erst 2019 sah ich Anlass für vorsichtigen Optimismus und schrieb dazu, nach drei Jahren Pause, auch wieder einen Blogbeitrag. Dieser Optimismus hat sich zwar nicht vollständig bestätigt, aber immerhin konnte ich in den Folgejahren immer mal wieder neue Figuren in die Übersicht aufnehmen.

Was mich zu heute führt und der Frage, wo wir eigentlich gerade stehen, zehn Jahre nach der ersten Liste.

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