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Mein Serienjahr 2022: Becoming Charlie

Über diese Serie haben sich wahrscheinlich mehr Menschen aufgeregt, als sie tatsächlich gesehen haben. Was schade ist, denn sie zeigt Figuren und Perspektiven, die im deutschen Fernsehen immer noch sehr selten zu sehen sind.

In Becoming Charlie geht es um einen jungen Menschen auf der Suche nach der eigenen Identität. Charlie fühlt sich nicht als Frau. Aber heißt das damit automatisch, dass Charlie ein Mann ist? Im Freundeskreis, vor allem bei der besten Freundin eckt Charlie an. Erst durch die Begegnung mit der Studentin Ronja eröffnen sich für Charlie neue Perspektiven, sich selbst zu definieren. Das ist gar nicht so einfach, zumal in Charlies Leben gerade so einiges schief läuft. Das Geld ist knapp, die shoppingsüchtige Mutter geht aber lieber einkaufen, statt die Stromrechnung zu bezahlen. Mit Tante Fabia gibt es Stress, nachdem Charlie ihr im Streit das Auto zerkratzt. Und zu allem Überfluss ist dann auch noch der Job beim Lieferdienst weg. Ausgerechnet bei Fabia und deren Frau Maya erhält Charlie schließlich Unterstützung.

Becoming Charlie wurde vom ZDF bewusst für die Mediathek konzipiert und in einem beschleunigten Produktionsprozess hergestellt. Dementsprechend knapp waren Zeit und Budget, wie Kerstin Polte, eine der Regisseurinnen, bei einem Panel im Rahmen der re:publica im Sommer erzählte (Hier geht es zu meinen Tweets über das Panel). Die Serie hat daher leider auch nur sechs Folgen mit einer Länge von ca. 15 Minuten.

Aber immerhin: Besser als nichts. Denn die Serie bringt Vielfalt zumindest in eine öffentlich-rechtliche Mediathek, die da sonst häufig noch fehlt. Neben einer nicht-binären Hauptfigur gibt es u.a. ein Männer- und ein Frauenpaar, eine davon eine Woman of Color. Dass die Serie in einer tristen Hochhaussiedlung spielt, die Figuren für Lieferdienste fahren und Geldsorgen haben, räumt zudem mit dem Vorwurf auf, die LGBTQ* Community bestünde nur aus privilegierten Besserverdienenden und die “normale”, hart arbeitende Bevölkerung habe ganz andere Probleme. Gerade die Menschen, die so etwas behaupten, werden die Serie aber leider wohl niemals sehen.

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Alle Folgen von „Becoming Charlie” sind weiterhin in der ZDF-Mediathek verfügbar.

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Mein Serienjahr 2022: Private Eyes

So, wie ich in manche Serien nur reinsehe, weil dort jemand Bestimmtes mitspielt, zögere ich bei anderen Serien aus demselben Grund. Über die kanadische Krimiserie Private Eyes hatte ich z.B. irgendwann mal gelesen, dass dort Jason Priestley mitspielt, und nun ja, den fand ich in Beverly Hills 90210 einfach nur nervig und in den wenigen Rollen, in denen ich ihn danach gesehen habe, konnte er mich auch nicht von sich überzeugen. Insofern hatte ich erstmal kein Bedürfnis, die Serie zu sehen.

Und dann bin ich mal beim Zappen auf one ARD gelandet, wo eine Folge von Private Eyes lief, und hängengeblieben. Zum Glück. Denn was soll ich sagen: Ich fand Jason Priestley gar nicht mehr so schlimm, im Gegenteil. Die Serie lebt mit davon, wie er den Ex-Eishockeyprofi Matt Shade spielt, der zum Privatdetektiv umsattelt: Selbstbewusst und manchmal ein bisschen zu sehr von sich überzeugt, aber auch mit Humor und einem Augenzwinkern.

Vor allem aber lebt die Serie von der tollen Dynamik zwischen den Figuren, insbesondere den Hauptfiguren. Neben Shade ist das Angie Everett, gespielt von Cindy Sampson. Angie stimmt zunächst nur sehr zögerlich zu, Shade als Privatdetektiv zu beschäftigen, macht ihn jedoch später, nachdem die beiden sich zusammengerauft haben, sogar zum Partner. Den beiden zuzusehen macht einfach Spaß.

Auch die Nebenfiguren sind durchgängig sympathisch und zum Glück bekommen sie in der Serie ausreichend Raum. Da sind auf Shades Seite insbesondere seine Tochter Jules und sein Vater Don, aber auch seine Ex-Frau Becca, die immer mal wieder auftaucht. Bei Angie ist das vor allem ihr Jugendfreund Maz, ein Polizist, der die beiden immer mal wieder bei ihren Fällen unterstützt. Später gehören zum Team – im weiteren Sinn – auch Shade und Angies Assistentin Zoe und die Polizistin Danica, die zunächst mit Maz zusammenarbeitet, später aber seinen Posten übernimmt. Bei der Figur Danica habe ich mich besonders darüber gefreut, wie selbstverständlich und nebenbei eingeführt wurde, dass sie eine Freundin hat, und dass über besagte Freundin nicht nur geredet, sondern sie auch gezeigt wurde.

Leider wurde die Serie nach der 5. Staffel beendet, die zudem wegen der Pandemie weniger Episoden hatte als die anderen. Das Ende ist daher etwas abrupt und es gibt einen Cliffhanger, mit dem ich aber ausnahmsweise mal ganz gut leben kann.

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Staffel 1 bis 4 von „Private Eyes“ sind bei Amazon Prime im Rahmen der Flatrate verfügbar, Staffel 5 zum Kaufen.

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Mein Serienjahr 2022: Schmigadoon

Bei manchen Serien wundere ich mich, dass ich über sie nicht mehr in meinen Social Media-Feeds lese. Vielleicht stechen sie nicht genug heraus, um bei der Fülle an guten Serien, die derzeit regelmäßig veröffentlicht werden, nicht unterzugehen. Wobei mich das bei der Serie, um die es heute geht, angesichts der Top-Besetzung wundern würde.

Warum auch immer hatte ich jedenfalls das Gefühl, nicht viel über Schmigadoon gelesen zu haben, bevor ich reingesehen habe. Eines jedoch wusste ich: Dass u.a. Ariana DeBose – die sich inzwischen Oscar-Gewinnerin nennen darf – in der Serie mitspielt. Was ich nicht auf dem Zettel hatte waren Namen wir Kristen Chenowth, Alan Cumming und Jane Krakowski.

In Schmigadoon verschlägt es das Großstadt-Paar Melissa und Josh in einen geheimnisvollen Ort, in dem die Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts stehengeblieben zu sein scheint und die Bewohner*innen, ganz wie in einem Musical, immer wieder in Gesang ausbrechen. Wer jetzt an den Musical-Film Brigadoon denkt, liegt nicht falsch, denn natürlich ist die Serie eine Anspielung darauf. Alle Versuche des Paares, den Ort zu verlassen, schlagen fehl. Anscheinend ist das nur möglich, wenn man wahre Liebe gefunden hat. Blöd nur, dass die beiden mitten in einer Beziehungskrise stecken.

Zugegeben, an die Idee für die Serie muss man sich erstmal gewöhnen und einige Storylines wirken etwas albern und platt. Insgesamt fand ich Schmigadoon aber wirklich unterhaltsam und die Musik so mitreißend, dass das Finale es sogar auf eine meiner Serien-Soundtrack-Playlists geschafft hat (über die ich kürzlich mal auf Twitter geschrieben habe). Deshalb habe ich mich auch wirklich gefreut, dass AppleTV+ die Serie um eine weitere Staffel verlängert hat, die dann allerdings nicht mehr in Schmigadoon, sondern in Schmicago spielen wird.

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„Schmigadoon” kann man bei AppleTV+ sehen.

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Mein Serienjahr 2022: Home Economics

Heute mache ich es mal kurz, denn über diese wunderbare, sehr unterhaltsame Serie habe ich in diesem Jahr schon etwas ausführlicher geschrieben:

Serientipp: Home Economics

In den USA läuft sei einigen Monaten bereits die dritte Staffel und ich hoffe auf eine baldige Ausstrahlung auch bei uns. Unter anderem wird in einem Rückblick gezeigt, wie Sarah sich bei ihrer Familie geoutet hat und warum sie und Denise einander „Lulu“ nennen.

(Auf das Bild klicken, um den Trailer für Staffel 3 bei YouTube zu sehen)

Die ersten beiden Staffeln von „Home Economics“ kann man u.a. bei WOW streamen.

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Mein Serienjahr 2022: Severance

Eine der Serien, die nicht nur bei vielen Serienkritiker*innen auf ihrer Liste der besten neuen Serien des Jahres 2022 steht, sondern auch bei vielen Serienfans, ist Severance. Und ich kann das verstehen, denn auch ich fand die Serie sehr gut.

Die Story ist originell, wenn auch ein bisschen unheimlich. Was wäre, wenn man durch einen chirurgischen Eingriff im Gehirn die Erinnerungen an seine Arbeit und sein Privatleben streng voneinander trennen könnte? Niemand könnte mehr versehentlich – oder gar absichtlich – Unternehmensgeheimnisse ausplaudern, bei der Arbeit wäre man nicht mehr durch private Sorgen belastet.

Letzteres veranlasst die Hauptfigur Mark, in das sogenannten Severance-Verfahren einzuwilligen. Seine Frau ist vor Kurzem gestorben und zumindest acht Stunden am Tag möchte er nicht daran erinnert werden. Die heile Welt, die Mark sich wünscht, bekommt jedoch Risse, als sein bester Freund bei der Arbeit plötzlich entlassen wird und stattdessen eine neue Kollegin auftaucht. Doch Helly kann sich nicht an ihre neue Situation gewöhnen. Sie hinterfragt ihre Tätigkeit und versucht, sich dagegen aufzulehnen, mit gravierenden Konsequenzen. Nach und nach beginnen auch ihre Kollegen ihre Loyalität gegenüber ihrem mysteriösen Arbeitgeber Lumon Industries in Frage zu stellen.

Severance ist sehr spannend erzählt und toll gespielt. Zum Cast gehören mit Patricia Arquette und Christopher Walken gleich zwei Oscar-Preisträger*innen, die beide wirklich großartig sind in ihren Rollen. Aber auch das übrige Ensemble fand ich hervorragend. Vor allem Britt Lower als Helly hat mich sehr beeindruckt. Was mich allerdings ein bisschen gestört hat, war der Schluss.

(Vorsicht, Spoiler!)

Nach all der Spannung, die mit jeder Folge weiter gesteigert wurde, die Staffel mit einem Cliffhanger enden zu lassen, ist schon ziemlich gemein. Zum Glück geht es weiter. Auch wenn ich mir gerade noch nicht vorstellen kann wie. Aber dem Team um Produzent Ben Stiller, der auch bei mehreren Folgen Regie geführt hat, wird schon etwas einfallen.

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„Severance” kann bei AppleTV+ gestreamt werden.

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Mein Serienjahr 2022: Fantasy Island

Ich habe mir angewöhnt, mir zu Serien, die ich sehe, Notizen zu machen. Über Fantasy Island habe ich, nachdem ich mit Staffel 1 durch war, geschrieben: “Was fürs Herz und für die Seele, vielleicht ein bisschen kitschig, aber kann man gut gucken.” Und: “Mit einer queeren Frauenfigur!”

Letzteres hat mich wahrscheinlich am meisten überrascht. Ich hatte schon gelesen, dass es in einer Folge um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen geht. Dass das nicht die einzige queere Storyline ist, sondern sich eine weitere durch die gesamte Staffel zieht, hätte ich allerdings nicht gedacht. Aber umso besser.

Gewundert hat mich auch ein bisschen, wie gut mir die Serie insgesamt gefallen hat. Nicht zu ernst, aber auch nicht zu seicht, und das alles vor traumhafter Kulisse. Eher was zum Zurücklehnen und Genießen als zum Mitdenken. Und das muss eben auch mal sein.

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Staffel 1 von „Fantasy Island“ gibt es bei Sky bzw. WOW. Anfang Januar 2023 beginnt in den USA die Ausstrahlung der zweiten Staffel.

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Mein Serienjahr 2022: Station Eleven

Anfang des Jahres wurde in meinen Social Media-Feeds häufiger und meistens mit Begeisterung die Serie Station Eleven erwähnt. Sie weckte auch deshalb mein Interesse, weil Mackenzie Davis eine der Hauptrollen spielt. Trotzdem habe ich gezögert, und zwar wegen des Themas. Eine Serie über eine Pandemie zu sehen, wenn wir gerade eine erleben, schien keine so gute Idee zu sein.

Ich habe es dann doch gewagt und es war okay. Es kam einem zwar einiges vertrauter und näher vor, als es wahrscheinlich noch vor drei Jahren der Fall gewesen wäre. Aber die Situation in der Serie ist so anders, dass es dann doch wieder weit genug weg ist.

In Station Eleven werden die Geschichten der Hauptfiguren auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Mackenzie Davis spielt Kirsten, eine junge Schauspielerin, die nach einer verheerenden Pandemie mit anderen Überlebenden als Theatergruppe durchs Land zieht. Als Kind hatte sie miterlebt, wie der berühmte Schauspieler Arthur Leander während einer Aufführung von King Lear auf der Bühne zusammengebrochen und gestorben ist. Im folgenden Durcheinander hatte sich Jeevan um sie gekümmert, der zufällig im Publikum anwesend war. Durch die plötzlich über die USA hereinbrechende Pandemie wurden sie zu einer Schicksalsgemeinschaft, verloren sich jedoch später aus den Augen. Auch die weiteren Hauptfiguren haben eine Verbindung zu Arthur Leander: seine beiden Ex-Frauen Miranda und Elizabeth, sein Sohn Tyler, sein ehemals bester Freund Clark. Die Serie zeigt, wie es ihnen vor, während und nach der Pandemie ergangen ist.

Station Eleven ist keine Serie, die man nebenbei sehen kann, und zwar nicht nur wegen des Themas, sondern auch wegen der komplexen Erzählstrukur. Das ist aber auch etwas, das ich sehr an der Serie mochte: Wie nach und nach Verbindungen zwischen den Figuren aufgedeckt werden, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Neben Mackenzie Davis hat mir vor allem auch Himesh Patel sehr gut gefallen, der für seine Darstellung des Jeevan für einen Emmy nominiert wurde.

Ein Hinweis noch zum Schluss, falls ihr das gleichnamige Buch kennt, aber noch nicht die Serie: Stellt euch darauf ein, dass beides sehr unterschiedlich ist. Ich lese gerade das Buch und es hat außer dem Titel, der Grundstory und den Namen der Figuren überraschend wenige Übereinstimmungen mit der Serie. Was nicht schlimm ist. Es ist eben nur anders.

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„Station Eleven” kann man u.a. bei Lionsgate+ (ehemals Starzplay) streamen.

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Mein Serienjahr 2022: Legends of Tomorrow

Auch 2022 gab es leider viele Serien, die beendet wurden. Das tat bei einigen mehr weh als bei anderen, insbesondere wenn es nicht angekündigt war.

So wie bei Legends of Tomorrow. Hier wurde bekannt, dass die Serie nicht fortgesetzt wird, nachdem das Finale von Staffel 7 bereits gelaufen war. Dieses endete dann auch mit einem Cliffhanger.

(Spoiler Staffel 7)

Der abrupte Abschied wurde für die Fans jedoch abgefedert durch eine geschickte Wendung in der Storyline: Die Autor*innen schickten die „Legends“ einfach schon in der vorletzten Folge in den Ruhestand und ließen sie sich voneinander verabschieden. Außerdem gab es einen Ausblick auf ihre jeweilige Zukunft. Im Finale fanden sie sich dann zwar alle wieder als Team zusammen und endeten gemeinsam in einer ziemlich brenzligen Situation.

(Ende Spoiler)

Als Fan wusste man in diesem Moment jedoch wenigstens, wie es mit den Figuren ungefähr weitergehen würde, wenn auch nicht im Detail. Und das war immerhin besser als gar nichts.

Trotzdem: Ich hätte gerne gesehen, was sich die Autor*innen für Staffel 8 ausgedacht hätten. Denn diese Serie hat es wie kaum eine andere geschafft, sich immer wieder neu zu erfinden, mit Wendungen, die auf dem Papier ziemlich durchgeknallt ausgesehen haben müssen, die aber irgendwie funktioniert haben.

Was an dem Ende der Serie ebenfalls bedauerlich ist: Dass damit auch queere Sichtbarkeit verloren gegangen ist. Während andere Serien sich mit der Darstellung gleichgeschlechtlicher Liebe immer noch schwer tun und allerhöchstens Nebenfiguren queer sind, haben die Verantwortlichen von Legends of Tomorrow die Sexualität von Sara Lance, einer der Hauptfiguren, nicht nur nicht heruntergespielt, sondern mit ihr und Ava über mehrere Staffeln hinweg eine gleichgeschlechtliche Beziehung erzählt, mitsamt Heirat und Familienplanung. Und auch dabei haben sie es nicht belassen, sondern im Laufe der Zeit weitere queere Figuren und Liebesgeschichten eingeführt. Das wird fehlen.

(Auf das Bild klicken, um das Video auf YouTube zu sehen)

Die ersten 5 Staffeln von „Legends of Tomorrow“ sind bei Amazon Prime im Rahmen der Flatrate, die übrigen zum Kauf verfügbar.

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Mein Serienjahr 2022: Thin Ice

Eine weitere Serie, auf die ich nicht durch meine üblichen Quellen aufmerksam geworden bin und die viele Serienfans nicht auf dem Radar haben dürften, ist Thin Ice. Hier war es der Hinweis eines Kollegen, der sie in der ARD-Mediathek entdeckt hat und der mit seiner Einschätzung, dass die Serie mir gefallen könnte, goldrichtig lag.

Während in Grönland der Arktische Rat über ein Klimaschutzabkommen verhandelt, wird vor der Küste ein schwedisches Forschungsschiff entführt. An Bord ist auch Viktor, ein Berater der schwedischen Außenministerin Elsa Engström. Seine Freundin, die Polizistin Liv, bekommt die Entführung während eines Video-Chats zufällig mit und reist auf eigene Faust nach Grönland, um Viktor zu finden. Zusammen mit dem grönländischen Polizisten Enok und unterstützt durch Außenministerin Elsa ermittelt Liv vor Ort. Hängt die Entführung mit dem geplanten Klimaschutzabkommen zusammen und dem riesigen Ölvorkommen, das vor der Küste entdeckt wurde? Und wie sind die beiden Großmächte USA und Russland darin verwickelt, die beide außenpolitische Interessen in Grönland verfolgen?

Beim Stichwort “skaninavische Thrillerserie” erwartet man eine spannende, qualitativ hochwertig erzählte Produktion und auch Thin Ice enttäuscht in dieser Beziehung nicht. Der einzige Wermutstropfen für mich hat auch gar nichts mit der Serie selbst zu tun, sondern mit der Programmplanung der ARD. Warum so eine Serie nicht im Hauptprogramm zur besten Sendezeit läuft, sondern in einem dritten Programm nachts, ist für mich einfach unbegreiflich. Hier könnten die öffentlich-rechtlichen Sender gegenüber den Streaming-Anbietern wirklich mal punkten.

(Auf das Bildk klicken, um den Trailer bei YT zu sehen)

“Thin Ice” wurde gerade im WDR wiederholt und ist daher aktuell in der ARD-Mediathek verfügbar, und zwar sowohl in der deutschen Synchronfassung als auch im Original.

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Mein Serienjahr 2022: Departure

Wie wahrscheinlich die meisten Serienfans orientiere ich mich bei der Auswahl der Serien, die ich sehe, daran, was ich von ihnen gehört oder gelesen habe. Bei Departure war das ein wenig anders. Hier habe ich irgendwann einen Trailer der 2. Staffel gesehen, überrascht festgestellt, dass Archie Panjabi die Hauptrolle spielt und daraufhin entschieden, mal reinzusehen, wenn es sich ergibt.

Anfang des Jahres hat es sich dann ergeben und schon nach wenigen Folgen habe ich mich nur noch gewundert, warum die Serie bisher nicht auf meinem Radar aufgetaucht war. Ich fand sie nämlich so gut und spannend, dass ich nicht aufhören konnte zu gucken und mit beiden Staffeln, die es bisher gibt, ratzfatz durch war.

Kurz zur Story: Als über dem Atlantik ein Flugzeug verschwindet, wird die Ermittlerin Kendra Malley (Archie Panjabi) damit beauftragt herauszufinden, was passiert ist. War es tatsächlich ein Terroranschlag, worauf einiges hindeutet? Kendra und ihr Team stoßen auf immer mehr Rätsel und Ungereimtheiten. Für Kendra wird der Fall persönlich, als ihr Stiefsohn darin verwickelt wird und beide in Gefahr geraten. In Staffel 2 wechselt der Schauplatz der Serie von London in die USA. Als ein Hochgeschwindigkeitszug in der Nähe einer Kleinstadt in Michigan mit einem Truck kollidiert, wird Kendra mit den Ermittlungen beauftragt. Hat der Fahrer des Trucks den Zug absichtlich zum Entgleisen gebracht? Oder war es doch ein Unfall? Und was hat es mit dem mysteriösen Passagier auf sich, der verschwunden ist?

Departure ist sehr spannend, mit immer neuen Verwicklungen und Wendungen erzählt. Neben Archie Panjabi, die ich eigentlich fast immer großartig finde (Run war eine Ausnahme, aber auch einfach keine gute Serie), sind u.a. Kris Holden-Ried (Lost Girl) und Christopher Plummer in seiner letzten Fernsehrolle zu sehen, in Staffel 2 außerdem z.B. David Hewlett (Stargate Atlantis) und Kelly McCormack (A League of Their Own). Eine dritte Staffel ist bereits abgedreht.

(Auf das Bild klicken, um den Trailer bei YouTube zu sehen)

Departure war Anfang des Jahres bei Universal TV zu sehen und konnte u.a. bei Sky gestreamt werden, ist aber leider aktuell bei keinem deutschen Streaminganbieter verfügbar.