„Borgen“ (2022): Birgitte Nyborg und die Macht

Im Juni hat Netflix eine neue Staffel der dänischen Politikserie „Borgen veröffentlicht. Neun Jahre nach der dritten, bisher letzten Staffel wird in ihr die Geschichte der Hauptfigur Birgitte Nyborg weitererzählt. Dabei schaffen die Seriemacher*innen es, an die Qualität der bisherigen Staffeln anzuschließen – und zwar so gut, dass es mir zeitweise schwer gefallen ist, die Staffel weiterzusehen.

(Screenshot; Quelle: Netflix)

Wenn man mich nach meinen Lieblingsserien fragt, ist eine in der Aufzählung immer dabei: Borgen. Die dänische Politikserie ist für mich eine der besten Serien, die ich je gesehen habe. Ich bin selten von einer Serie so angetan gewesen. Ich habe sogar meine Bachelorarbeit über sie geschrieben. Selbst diese intensive Beschäftigung über mehrere Monate hinweg hat an meiner Begeisterung nichts geändert.

Daher war ich hocherfreut, als bekannt wurde, dass es eine weitere Staffel von Borgen geben würde. Die dritte und bisher letzte Staffel stammte aus dem Jahr 2013.

Anfang Juni 2022 war es soweit. Natürlich habe ich sofort reingeschaut. Und hatte schnell gemischte Gefühle.

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“A League of Their Own”: Eine Klasse für sich

Mitte August hat Amazon Prime die erste Staffel von A League of Their Own veröffentlicht.

In der Serie wird die Geschichte einer Frauen-Baseballmannschaft in den 1940er Jahren in den USA erzählt. Sie greift damit die Idee des gleichnamigen Films von Penny Marshall aus dem Jahr 1992 auf.

Die “Rockford Peaches” (Quelle: Amazon Prime)

In einem zweiten Handlungsstrang, den es im Film nicht gibt, geht es um eine junge, ebenfalls Baseball-begeisterte Frau, die in dieser Mannschaft jedoch nicht spielen darf, weil sie nicht weiß ist.

Alles andere als ein Remake

Und noch etwas unterscheidet die Serie vom Film und macht deutlich, dass es sich eben nicht um ein Remake handelt, wie manche fälschlich angenommen haben: Die Serie ist queer. Sooooo queer. Und anderweitig divers. Aber vor allem queer. Und hatte ich schon erwähnt, wie queer die Serie ist?

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Serientipp: Home Economics

Vor einigen Wochen habe ich bei Twitter etwas über die Sitcom Home Economics geschrieben.

Dass es in meinem Tweet nur um das Frauenpaar Sarah und Denise ging, hatte allerdings nichts damit zu tun, dass die Serie nicht auch ansonsten sehenswert ist, im Gegenteil. Tatsächlich sind Sarah und Denise für mich eher das Sahnehäubchen, denn ich mag die Serie auch insgesamt wirklich sehr.

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Queere Sichtbarkeit im Tatort „Schattenleben“: Und am Ende ist dann doch wieder eine tot

Einige Gedanken zum aktuellen Fall des Hamburger Tatort-Teams Falke und Grosz.

Ich gucke selten Tatort.

Früher war das anders, da habe ich regelmäßig am Sonntagabend das erste Programm eingeschaltet. Inzwischen passiert das nicht mehr sehr oft. Nicht einmal für die Folgen mit dem Team aus meiner Wahlheimat Hamburg.

Eine Ausnahme habe ich nur Anfang letzten Jahres gemacht. Ich hatte gelesen, dass Kommissarin Julia Grosz, die seit einiger Zeit dabei ist, vielleicht gegebenenfalls eventuell queer sein könnte. Jedenfalls war da mal was, in einer vorherigen Folge, so eine Andeutung. Die Folge, die ich gesehen habe, hieß „Tödliche Flut“. Ich fand sie nicht besonders gut und zu allem Überfluss war ich danach auch nicht schlauer, was die Sexualität der Kommissarin angeht.

Auch in den neuesten Fall des Teams Falke und Grosz wollte ich eigentlich nicht unbedingt reinschauen. Und das, obwohl angekündigt war, dass Julia eine Ex-Geliebte wiedertrifft und, nachdem diese verschwunden ist, undercover in der queerfeministischen Szene ermittelt. Ein Artikel im Tagesspiegel machte mich dann aber doch neugierig. Klang alles gar nicht so schlecht. Zumal der Fall auf wahre Gegebenheiten zurückgriff, die hier in Hamburg vor einigen Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatten. Interessant fand ich auch, dass bei der Produktion ein sogenannter “Inclusion Rider” eingesetzt wurde. Diese Vertragsklausel soll sicherstellen, dass Cast und Crew einer Produktion möglichst vielfältig besetzt sind.

Gut angefangen und dann doch enttäuscht

Und tatsächlich fand ich die Folge anfangs gar nicht schlecht. Dabei war mir sogar fast egal, dass Kommissarin Grosz immer noch rumgeeiert hat. Immerhin hat sie zugegeben, dass sie in ihre Ex Ela wirklich verliebt war und es nur deshalb auseinander gegangen ist, weil sie nicht dazu stehen konnte. Und sie hat eine andere Frau geküsst. Dabei waren zwar Alkohol und Koks im Spiel. Allerdings schien es nicht so, dass sie ansonsten keine Frau geküsst hätte, vielleicht nur nicht unbedingt diese.

Mir hat auch gut gefallen, dass man sich sichtlich bemüht hat, im Konflikt zwischen der linken Szene und der Polizei nicht von vornherein Partei zu ergreifen. Beide Seiten wurden einigermaßen differenziert dargestellt.

Wenn dann nicht das Ende gewesen wäre.

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“Doctor Who” thematisiert “Thasmin”!

Und zwar nicht nur zwischen den Zeilen, sondern ausdrücklich!

Ja, okay, diesen Beitrag hätte ich auch schon früher schreiben können. Denn wie sehr Yaz an Thirteen hängt, der von Jodie Whittaker gespielten 13. Inkarnation des Doctors, wurde schon früher klar, spätestens mit der Hologramm-Szene in Staffel 13, Flux.

Aber irgendwie hätte ich nicht gedacht, dass wir jemals mehr bekommen würden als solche Szenen, die man im Zweifel noch uminterpretieren konnte in “eine sehr enge Freundschaft”. Das Team um Showrunner Chris Chibnall stand ja sowieso schon ausreichend unter Beschuss, weil sie es gewagt hatten, eine Frau mit der Titelrolle zu besetzen. Und dann noch eine queere Liebesgeschichte? Auch wenn LGBTQ*-Figuren bei Doctor Who keine Seltenheit sind, aber hier geht es immerhin um die Titelfigur!

Dann kam Eve of the Daleks (EotD), das Neujahrsspecial, und das mit der sehr engen Freundschaft“ löste sich in Wohlgefallen auf, jedenfalls in Bezug auf Yaz. Nachdem ihr Freund Dan sie direkt darauf angesprochen hatte, gestand sie ihm und zugleich auch sich selbst zum ersten Mal ihre tiefen, mehr als nur freundschaftlichen Gefühle für Thirteen ein:

Gestern wurde nun mit Legend of the Sea Devils (LotSD) ein weiteres Special ausgestrahlt und es bestätigte sich, worauf viele “Thasmin”-Fans gehofft hatten, nachdem Thirteen es gegenüber Dan in EotD noch abgestritten hatte: Auch Thirteen ist in Yaz verliebt. Gesagt hat sie es in LotSD zwar nicht direkt, aber wie sie mit Yaz gesprochen und wie sie sie angesehen hat, das war schon sehr eindeutig. Leider bestätigte sich noch etwas, was in EotD ebenfalls bereits angedeutet worden war: Dass Thirteen sich nicht auf diese Gefühle und eine Beziehung mit Yaz einlassen kann, weil es irgendwann, zwangsläufig, weh tun würde.

Thirteen (Jodie Whittaker, links) und Yaz (Mandip Gill)
(Screenshot; Quelle: BBC)

Ist damit alles vorbei? Tatsächlich wird das für Herbst geplante, dritte Special die letzte Folge für Jodie Whittaker als Doctor sein. Der Trailer verspricht Dramatik (und ein erneutes Wiedersehen mit einer Figur, über die ich mich schon im letzten November sehr gefreut habe; s. auch den Kurz notiert“-Eintrag vom 22.11.2021). Aber wer weiß: Immerhin hat es schon mal ein Happy End für den Doctor und eine Begleiterin gegeben, nämlich für Rose und Ten, jedenfalls irgendwie. Vielleicht fällt Chris Chibnall & Co. ja für Thasmin“ etwas ähnliches ein. Vorsorglich sollten sich Thasmin“-Fans aber schon mal auf ein gebrochenes Herz einstellen. Denn auch vor dem Happy Ende für Ten und Rose kam ja noch Doomsday

(PS: Just in case – Thasmin“ = Thirteen + Yasmin. ;))

(PPS: Thirteen hat River Song erwähnt! Und die Reaktion von Yaz, als Thirteen my wife“ gesagt hat – großartig. <3)

(PPPS: Ursprünglich war im Text vom Happy End von Eleven und Rose die Rede. Es waren natürlich Ten und Rose. 😬)