“The Bold Type” Staffel 2, Folge 2: “Rose Colored Glasses”

Janes Versuch, die Auswirkungen des von Veronica geänderten Artikels abzumildern, geht nach hinten los. Sutton ist noch immer verunsichert wegen Mitzis Lästerei. Und Kat wird mit der Frage konfrontiert, was es für sie bedeutet, schwarz zu sein.

Jane, Kat und Sutton (Quelle: Freeform)

Die Folge beginnt mit einem Missverständnis. Kat, Jane und Sutton wollen sich treffen, um über die neuestens Entwicklungen in Kats Beziehung mit Adena zu sprechen, doch jede der drei findet sich in einer anderen Filiale der Juicebar-Kette ein, in der sie verabredet sind. Ob dies symbolisch zeigen soll, dass die drei an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben sind? Während Kat gerade befördert wurde und sich auch ihr Liebesleben mit Adena äußerst befriedigend entwickelt – eine Tatsache, die sie den anderen beiden strahlend erzählt – hat Sutton sich gerade von Richard getrennt und Jane hat Probleme, in ihrem neuen Job anzukommen.

You’re not at Scarlet anymore, Tiny Jane!

Denn Incite ist nicht Scarlet, wie ihre neue Chefredakteurin Veronica Jane mehr als einmal deutlich macht. Auch der harsche und gnadenlose Ton, in dem Incite-Leser*innen Janes von Veronica geänderte Emma Cox-Story kommentieren, irritiert Jane. Sie ruft Emma an, um ihr zu erklären, was passiert ist, erreicht jedoch nur ihre Mailbox, wo sie eine Nachricht hinterlässt, in der sie sich bei Emma entschuldigt.

Emma veröffentlicht Janes Entschuldigung jedoch auf Twitter und Jane findet sich plötzlich als Meme in den sozialen Netzwerken wieder. Da ihre Entschuldigung es so aussehen lässt, als habe Incite die Geschichte falsch dargestellt, arrangiert Veronica für Jane ein Fernsehinterview. Jane soll deutlich machen soll, dass Incite eine seriöse Publikation ist, bei der man schonungslos, aber den Tatsachen entsprechend berichtet. Jane schafft es auch zunächst, bei dieser Linie zu bleiben. Dann bringt sie es jedoch nicht über sich, die mit Veronica abgestimmten Aussagen so stehen zu lassen, sondern verteidigt Emma. Außerdem spricht sie sich dafür aus, dass Medien differenzierter und nicht sensationsheischend berichten sollten. Dies kommt bei Veronica gar nicht gut an. Sie feuert Jane.

Sutton und die Männer

Oliver beauftragt Sutton, ihn bei der Vorbereitung eines Fotoshootings zu unterstützen. Die “Models” sind Männer, die Frauen unterstützen und sich für ihre Rechte einsetzen. Als er den Auftrag an Sutton u.a. damit begründet, dass Männer sie mögen (“men like you”), fühlt sich Mitzi in ihrer Einschätzung bestätigt, dass Sutton eine Vorzugsbehandlung bekommt, weil sie flirtet.

Auch Sutton verunsichert die Bemerkung von Oliver. In ihrer Unsicherheit und in dem Bemühen, möglichst wenig „flirty” rüberzukommen, unterlaufen Sutton Fehler und sie wirkt verkrampft im Umgang mit den „Models”. Als Jacqueline dies mitbekommt und Sutton anspricht, schüttet diese ihr ihr Herz aus. Wie immer gelingt es Jacqueline, die richtigen Worten zu finden und Sutton ihr Selbstvertrauen zurückzugeben.

Mit frischem Schwung schafft Sutton es, sogar dem zurückhaltenden, sehr Ernst wirkenden Arzt Ben für sein Foto ein Lächeln zu entlocken. Später macht Sutton zudem Mitzi eine Ansage wegen ihres Verhaltens: Frauen machen sich nicht gegenseitig fertig. Schon gar nicht die Frauen von Scarlet!

Rosarote Brille

Weil sie nun mehr Verantwortung hat und Scarlet auch nach außen stärker repräsentieren wird, bittet Jacqueline Kat, ihre Biografie aktualisieren. Als sie Alex ihren Textentwurf zum Lesen gibt, geraten die beiden in Streit darüber, warum Kat nicht herausstellt, dass sie die erste schwarze Abteilungsleiterin bei Scarlet ist. Kat meint, dass ihre Hautfarbe nichts mit ihrem Job zu tun hat, und fühlt sich von Alex angegriffen: „Are you questioning my blackness right now?”

Alex’ Frage lässt Kat jedoch nicht los. Als beim Abendessen, bei dem sie Adena ihren Eltern vorstellt, das Thema zur Sprache kommt, wird deutlich, dass Kats Einstellung zu “Labels” von ihren Eltern geprägt ist, während Adena eine ganz andere Meinung vertritt. Sie erinnert daran, dass in ihrer Biografie “proud Muslim lesbian” steht. Ihre Religion und ihre sexuelle Orientierung seien ein Teil von ihr, warum sollte das nicht auch jeder wissen?

Kat ist verunsichert. In weiteren Gesprächen mit Alex und vor allem ihren Eltern wird deutlich, dass sowohl Kat als auch ihre Eltern es bewusst vermieden haben, die Tatsache, dass Kat als Tochter einer weißen Frau und eines schwarzen Mannes eine dunkle Hautfarbe hat, zu thematisieren, um die jeweils anderen und sich selbst zu schützen. Selbstkritisch gibt Kat jedoch gegenüber Adena zu, dass sie die rosarote Brille, durch die sie die Dinge dank ihrer Eltern in ihrer Kindheit sehen konnte, auch als Erwachsene nicht abgenommen habe. Sie entschließt sich, Alex’ Rat zu folgen.

Kritik aus Staffel 1

Mit Kats Geschichte in dieser Folge greifen die Macherinnen von The Bold Type eine Kritik aus der ersten Staffel auf: Dass die Tatsache, dass Kat eine woman of color ist, nicht thematisiert worden sei, obwohl es einige Anlässe dazu gegeben hätte. U.a. sei nicht nachvollziehbar gewesen, dass in Folge 4 von Staffel 1 nur Adena aufgrund ihres Status als muslimische Ausländerin Angst gehabt habe, in eine Konfrontation mit der Polizei zu geraten, und Kat Adenas Verhalten nicht einmal verstanden habe, obwohl ihr als Social Media Managerin die #BlackLivesMatter-Thematik nicht entgangen sein dürfte. (Zwei lesenswerte Artikel hierzu habe ich unten verlinkt.)

Im Zusammenhang mit Kats Storyline wird zugleich gezeigt, wie sich ihre Beziehung zu Adena weiterentwickelt. Adena wird mehr und mehr zu ihrer Vertrauensperson, mit der sie bespricht, was sie beschäftigt. Wie schon in Folge 1 wird gezeigt, wie gut die beiden miteinander kommunizieren, dass Adena zwar ihren Standpunkt vertritt, Kat aber auch Raum lässt, sich selbst weiterzuentwickeln. Was mir zudem gut gefällt ist, wie viel von ihrer Geschichte sich in Kats Apartment abspielt, wie häuslich die beiden gezeigt werden. Sei es das abendliche Kuscheln auf dem Sofa, während Kat an ihrer Biografie arbeitet, das Essen mit Kats Eltern oder der nachläufige Abwasch. Dies lässt die Beziehung sehr bodenständig sowie – was leider bei der Darstellung von Frauenpaaren noch immer wichtig ist – total alltäglich und stinknormal wirken.

Mehr als eine rosarote Brille

Der Titel der Folge, “Rose Colored Glasses”, bezieht sich auf den ersten Blick sehr eindeutig auf Kats Geschichte. Sie spricht sogar von der rosaroten Brille, die sie jahrelang getragen hat. In gewisser Weise trifft er jedoch auch auf Jane zu. Auch sie trägt eine rosarote Brille in Bezug darauf, wie sie ihre Arbeit als Journalistin versteht. Bei Incite muss sie jedoch erkennen, dass der differenzierte Blick, den sie bei Jacqueline und Scarlet gelernt und der sie dort ausgezeichnet hat, nicht überall erwünscht und gefragt ist. Zwar bemüht sie sich, sich anzupassen, doch letzlich gelingt es ihr nicht. Auch wenn sie versucht, nach außen Incite zu repräsentieren, bleibt sie tief in sich drinnen doch immer Scarlet. Symbolisch wird dies an ihrer Kleidung gezeigt: Als sie das schlichte Karohemd, das sie für das Interview angezogen hat und das aus ihrer Sicht wohl besser zu Incite passt, auszieht, kommt darunter ein Oberteil zum Vorschein, dass mehr ihrem Stil entspricht, der aber für Veronica zu sehr nach Scarlet aussieht.

Einige weitere Gedanken zu “Rose Colored Glasses”:
  • Es ist ein bisschen überraschend, dass die drei Freundinnen sich nicht über alle ihre jeweiligen Probleme miteinander austauschen. Sutton spricht über ihre Unsicherheit wegen Mitzi mit Jacqueline, Kat bespricht ihr Thema mit Alex, Adena und ihren Eltern, nur Janes Problem besprechen sie zu dritt. Vielleicht ist dies vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Zeit, die man in einer Folge hat, begrenzt ist und es viele Figuren gibt, die einbezogen werden müssen. Anhand der Szenen, die die drei miteinander haben, wird jedoch dennoch deutlich, wie wichtig sie füreinander sind und dass ihre Freundschaft das Herz der Serie ist.
  • Wie großartig ist eigentlich Sage alias „Scarlet sex writer”, wie sie sich selbst bezeichnet? Und warum kann ich mich an sie nicht aus Staffel 1 erinnern? Ich fand die Figur vor allem in dieser Folge sehr unterhaltsam, aber auch als Unterstützung für Sutton sehr wertvoll. Sie versucht, Mitzis Lästereien abzumildern und Sutton zu schützen. Sie würde ich gern öfter sehen.
  • Mit dem sich anbahnenden Konflikt zwischen ihr und Cleo, einem neuen Board-Mitglied, bekommt Jacqueline anscheinend eine eigene kleine – oder vielleicht auch größere – Storyline, denn es deutet sich an, dass Cleo sich in Jacquelines Aufgabenbereich als Chefredakteurin bei Scarlet einmischen wird. Ich bin sehr gespannt.

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