“The Bold Type” Staffel 2, Folge 1: “Feminist Army”

“The Bold Type” ist wieder da! In der Auftaktfolge von Staffel 2 muss Jane sich in ihrem neuen Job zurechtfinden, Sutton hat eine Entscheidung zu treffen und Kat und Adenas Beziehung wird auf eine erste Probe gestellt.

Wieder vereint: Meghann Fahy, Aisha Dee und Katie Stevens als Sutton, Kat und Jane
(Quelle: Freeform)

Im vergangenen Dezember hatte ich in meinem persönlichen “Ich schreibe über Serien”-Jahresendspurt auch über meine zwei liebsten neuen Serien 2017 geschrieben. Eine davon war The Bold Type. Davon, dass ich die Serie so gut fand, war ich selbst ziemlich überrascht. Die Gründe für meine Skepsis und was es war, das mich dann doch von der Serie überzeugt hat, habe ich hier notiert.

Letzte Woche ist nun endlich die zweite Staffel gestartet. Zur Erinnerung: Das Finale der ersten Staffel hinterließ die Zuschauer*innen mit so einigen Fragen im Hinblick auf die Zukunft der drei Protagonistinnen Jane, Kat und Sutton. Wie würde es Jane mit ihrer Entscheidung ergehen, das Magazin Scarlet zu verlassen und zukünftig für das digitale Medium Incite zu schreiben? Gibt es – nach Suttons kurzem Beziehungsversuch mit Alex – doch noch eine Chance für sie und Richard? Und wie sieht die Zukunft für Kat und Adena aus?

Auf alle diese Fragen gab es in Folge 1 der neuen Staffel mit dem Titel “Feminist Army” Antworten.

Incite ist nicht Scarlet

Jane hat Schwierigkeiten, sich bei Incite einzugewöhnen, wo alles doch sehr anders ist als bei Scarlet. Ihre Kolleg*innen scheinen etwas überheblich auf die Frau vom Modemagazin herabzusehen und mit ihrer neuen Chefredakteurin Victoria gibt es ebenfalls Anlaufschwierigkeiten. (Eine Jacqueline Carlyle gibt es eben nur einmal.) Dann entwickelt sich auch noch Janes erste große Story für Incite ganz anders, als sie es geplant hatte. Bei ihren Recherchen deckt sie auf, dass die Unternehmerin Emma, die sie im Rahmen ihrer Reihe “Feminist Army” als eine der jungen Frauen präsentieren wollte, die die Welt verändern, nicht ganz ehrlich war. Jane schafft es zwar, die Story auf eine Art und Weise zu schreiben, die sowohl für sie als auch für Emma gesichtswahrend ist und dem Thema ihrer Reihe treu bleibt. Als sie den veröffentlichten Artikel sieht, muss sie jedoch feststellen, dass Victoria ihn so geändert hat, dass Emma bloßgestellt wird.

Karriere oder Liebe?

Sutton erlebt eine Überraschung, als bekannt gegeben wird, dass es in dem Konzern, zu dem Scarlet gehört, eine neue Regel für Beziehungen zwischen Angestellten gibt: Sie sind zukünftig selbst zwischen unterschiedlichen Hierarchieebenen erlaubt, wenn beide Beteiligten schriftlich bestätigen, dass die Beziehung einvernehmlich ist. Richard ist Feuer und Flamme und möchte nun offiziell mit Sutton zusammen sein, doch Sutton zögert. Dann bekommt sie mit, wie ihre Kollegin Mitzi darüber lästert, Sutton bekäme von Alex eine Vorzugsbehandlung, weil sie mit ihm geschlafen hat. Sutton wird klar, dass es egal ist, wie gut sie in ihrem Job ist; einige Menschen würden immer behaupten, sie habe sich nach oben geschlafen, wenn sie öffentlich eine Beziehung mit Richard führt, der ein Mitglied des Managements ist. Sie muss sich zwischen Liebe und Karriere entscheiden – und entscheidet sich schweren Herzens für Letztere.

To boldly go where no man has gone before…

Nur für Kat scheint alles hervorragend zu laufen. Nach ihrer Rückkehr aus Südamerika, wo sie mit Adena herumgereist ist, wartet ihr Job bei Scarlet auf sie und sie bekommt sogar mehr Verantwortung. Adena durfte ebenfalls wieder in die USA einreisen und hat nun 3 Monate Zeit hat, sich dort einen Job zu suchen, um eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis zu bekommen. Kat ist im 7. Himmel und möchte am liebsten die ganze Welt an ihrer neuen Liebe teilhaben lassen, bis Adena sie ein wenig abrupt auf die Erde zurückholt. Sie erinnert Kat daran, dass sie erst am Anfang ihrer Beziehung stehen und ist verwirrt, weil Kat nach außen so viel Gas gibt, während sie zu bestimmten Dingen im Bett noch nicht bereit ist. (Gibt es eigentlich im Deutschen eine ähnliche Umschreibung für Oralsex wie “to go down on somebody” im Englischen?)

Nach ein wenig Aufmunterung und guten Ratschlägen von Jane und Sutton sucht Kat das Gespräch mit Adena und gesteht ihr, dass sie unsicher ist. Adena betont, dass sie nichts möchte, wozu Kat nicht bereit ist, wie wichtig es aber für sie ist, dass sie darüber sprechen. Nachdem Kat festgestellt hat, dass sie in ihrem ganzen Leben noch nie so viel über Oralverkehr geredet hat (“Oh my god, I’ve never talked about oral sex so much in my entire life and I work at Scarlet!”), hört sie auf zu reden und nutzt ihren Mund für etwas anderes…

Ein gelungener Auftakt

Ich habe mich sehr auf die neuen Folgen von The Bold Type gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Schon die Auftaktfolge hat wieder viel von dem gezeigt, was ich an der Serie so mag.

Da sind zum einen die Figuren. Es kommt selten vor, dass ich bei einer Serie mit mehreren Hauptfiguren die Storylines von allen mit vergleichbarem Interesse verfolge, aber hier ist es so. Und das hat mich vor allem deshalb erstaunt, weil mich mit Jane, Kat und Sutton – drei Millenials, die in New York in der Medien- bzw. Modebranche arbeiten – eigentlich kaum etwas verbindet. Aber ich finde die drei so sympathisch und interessant erzählt, mit unterschiedlichen Facetten, Ecken und Kanten und dabei so menschlich, dass ich einfach mitfiebern muss.

Auch die meisten anderen Figuren mag ich, allen voran Jacqueline. Sie ist auch in dieser Folge eigentlich zu gut um wahr zu sein – u.a. zeigt sie ehrliches Interesse an Jane und ihrer weiteren Karriere, und zwar ohne jegliche Bitterkeit, obwohl diese bei ihr gekündigt hat. Aber ich finde es einfach angenehm, hier mal einen anderen Typ Karrierefrau zu sehen, als er sonst so häufig gezeigt wird. Sie ist nicht verbissen und mit allen Mitteln darum bemüht, ihre Macht zu sichern, sondern warm, herzlich und fürsorglich.

Lektionen fürs Leben

Etwas, dass ich an The Bold Type schon in der ersten Staffel sehr mochte, sind zudem die Themen, die adressiert und die Botschaften, die damit verbunden werden. In der Geschichte um “Kadenas” Liebesleben – bei der mich die Offenheit, mit der mit dem Thema umgegangen wird, selbst in einer deutschen Serie überraschen würde, die ich so in einer US-Serie aber wahrlich nicht erwartet hätte – geht es nicht nur um Sex, sondern darum, wie Kat und Adena als Paar zusammenfinden und wie wichtig dabei Kommunikation ist. Jane muss lernen, dass ein neuer Job unerwartete Herausforderungen mit sich bringen kann und dass das, was sie bei Scarlet ausgezeichnet und erfolgreich gemacht hat, bei Incite nichts zählt. Es ist eine harte Lektion, die aber zum Arbeitsleben dazugehört.

Am Beispiel von Sutton wird für mich wieder einmal eine weitere Stärke der Serie deutlich: Dass und wie mit stereotypen Figuren und Handlungssträngen gebrochen wird. Eine junge, attraktive Frau entscheidet sich gegen einen reichen, ebenso attraktiven und sehr sympathischen Mann, den sie darüber hinaus auch noch liebt, weil sie gut ist in ihrem Job und nicht riskieren möchte, dass ihre Leistung und ihr Können durch eine Beziehung mit diesem Mann überschattet werden. Dabei wird auch aufgezeigt, wie ungerecht die Situation für Frauen noch immer ist: Richard muss sich keine Gedanken darüber machen, dass eine Beziehung mit Sutton schlecht für seinen Ruf ist oder jemand ihm seine Kompetenzen abspricht. Wie Sutton frustriert feststellen muss: “That double standard is one of the classic-rock hits of the patriarchy.”

Insgesamt hat die erste neue Folge von The Bold Type wieder Lust auf mehr gemacht. Wie gut, dass die Staffel noch 9 weitere Folgen hat. 🙂

To be continued…

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