“Doctor Who” Staffel 1: Liebe auf den zweiten Blick

Die britische Science Fiction-Serie “Doctor Who” gehört seit einigen Jahren zu meinen Lieblingsserien. Allerdings war es keine Liebe auf den ersten Blick. Ein paar Notizen zu Staffel 1.

Die TARDIS des Doctors

Vor einigen Monaten habe ich hier im Blog angekündigt, dass ich regelmäßig etwas über Doctor Who schreiben möchte, weil ich die Serie gerade noch einmal gucke und mir jede Menge Notizen mache. Hier kommt nun endlich der erste Beitrag zur Artikelserie. Darin geht es um Staffel 1. Wer zunächst einmal mehr über die Hintergründe der Serie erfahren möchte, dem empfehle ich den bereits erwähnten Intro-Artikel zu dieser Artikelserie.

If at first you don’t succeed…

Bereits im Intro-Artikel habe ich unter anderem beschrieben, dass ich zwei Anläufe brauchte, um mit Doctor Who warm zu werden. Erst, als ich beim zweiten Versuch nicht nur die Pilotfolge schaute, sondern sofort Folge 2 hinterher, klappte es mit dem Weitergucken.

Auch als ich Staffel 1 vergangenes Jahr noch einmal geguckt habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass Folge 1 definitiv nicht zu meinen Favoriten gehört. Das mag viele Gründe haben. Anders als in der zweiten Folge lernt man zum Beispiel in der Pilotfolge die TARDIS – das Transportmittel des Doctors – nicht wirklich in Aktion kennen, d.h. er reist weder durchs Weltall noch durch die Zeit. Diese Science Fiction-Elemente fehlten mir wohl einfach. Außerdem ist die TARDIS fast wie eine eigenständige Figur in DoctorWho, was in der Pilotfolge der neuen Staffel nicht deutlich wird, wenn man die ursprüngliche Serie nicht kennt.

Ich brauchte auch eine Weile, um mit den Hauptfiguren warm zu werden. Bis heute gehören weder der neunte Doctor, gespielt von Christopher Eccleston, noch Billie Piper als seine Begleiterin Rose zu meinen Lieblingsfiguren. Aber sie funktionierten als Team. Und auch die anderen regelmäßig auftretenden Figuren wie Roses Mutter Jackie und ihr Freund Mickey, mit denen ich in der Pilotfolge nicht viel anfangen konnte, wurden mir nach und nach immer sympathischer. Daneben entdeckte ich mit jeder Folge mehr, das mir an der Serie gefiel, u.a. sowohl Humor als auch Tiefgründigkeit.

Ein bekanntes Gesicht

Die erste Folge von Staffel 1, die mir positiv in Erinnerung geblieben ist und bei der ich das auch beim nochmaligen Ansehen wieder nachvollziehen konnte, war Folge 3, The Unquiet Dead. Das lag vor allem an Schauspielerin Eve Myles, die ich als Gwen aus der Serie Torchwood kannte. Allerdings war mir ursprünglich nicht bewusst, dass Eve Myles die Rolle in Torchwood, einem Spin-off von Doctor Who, tatsächlich dieser Darstellung des Dienstmädchens Gwyneth in The Unquiet Dead verdankte. Zwar sind Gwyneth und Gwen unterschiedliche Figuren. In einer späteren Folge von Doctor Who (Journey’s End, Staffel 4) wird jedoch angedeutet, dass Gwyneth und Gwen tatsächlich entfernte Verwandte sind – ein schönes Augenzwinkern an die Fans. Unterhaltsam fand ich in der Folge zudem die Begegnung mit Charles Dickens, nur eine von vielen historischen Figuren, auf die der Doctor und seine jeweiligen Begleiter*innen im Laufe der Serie treffen.

Der Doctor und der Dalek

Für mich eine der wichtigsten Folgen von Staffel 1 ist Dalek. Das wurde beim nochmaligen Anschauen sogar noch deutlicher. Bis zu diesem Zeitpunkt weiß man als Doctor Who-Neuling noch kaum etwas über den Doctor. In Dalek, der sechsten Folge der ersten Staffel, trifft der Doctor auf seinen Erzfeind und man erlebt ihn anders, als man ihn bisher kennengelernt hat. Der charmante Doctor, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und nichts wirklich ernst zu nehmen scheint, ist plötzlich feindselig und hasserfüllt. Er will den Dalek unbedingt sterben sehen (“Why won’t you just DIE?”).

Es ist ausgerechnet der Dalek, eine eigentlich unmenschliche Tötungsmaschine, der den Doctor durchschaut. Er erkennt, wie sehr der Doctor sich in seinem Hass den Daleks annähert (“You would make a good Dalek”), wie ähnlich Dalek und Doctor sich sind – sie sind jeweils die letzten ihrer Art – und dass der Doctor Rose liebt. Die Folge gibt der Figur des Doctors sehr viel mehr Tiefe, weil sie seine Trauer um seine Heimat, seine Schuldgefühle über seine Rolle in den Zeitkriegen und seine innere Zerrissenheit deutlich macht.

Everybody lives

In diesem Beitrag nicht unerwähnt bleiben darf schließlich die Doppelfolge The Empty Child / The Doctor Dances. Die Geschichte, die in London während des 2. Weltkriegs spielt, ist zwar eigentlich ein bisschen zu gruselig für mich. Ich finde die beiden Folgen jedoch spannend und dicht erzählt. Außerdem wird hier eine meiner Lieblingsfiguren eingeführt: Captain Jack Harkness, den ich ebenfalls bereits aus Torchwood kannteCaptain Jack, der im Laufe der ersten Staffeln häufiger auftaucht und dabei immer wieder eine wichtige Rolle spielt, macht nicht nur Rose schöne Augen, sondern auch einem britischen Offizier. Damit ist er die erste queere Figur im “Whoniverse”.

Besonders schön finde ich zudem den Gefühlsausbruch des Doctors am Ende der Doppelfolge: “Everybody lives, Rose. Just this once, everybody lives.” Es wird deutlich, dass der Doctor immer wieder mit dem Tod konfrontiert wird und dass er nicht immer alle retten kann. Daher sind die Momente, in denen ihm das gelingt, speziell. Beim Rewatch fand ich diese Szene auch deshalb so großartig, weil mir der Zusammenhang mit einer meiner absoluten Lieblingsszenen von Doctor Who bewusst wurde, der mir vorher nicht aufgefallen war. In jener Szene wird das Thema – “everybody lives” – nämlich später noch einmal aufgegriffen. Welche Szene das ist, verrate ich jetzt noch nicht, dazu schreibe ich dann mehr im Beitrag zu Staffel 4. (Wer einen Tipp abgeben möchte, kann das gern in den Kommentaren tun.)

Weitere Notizen zu Staffel 1
  • Das erste, was der Doctor zu Rose sagt, ist “Run!” – eine Aufforderung, die seine jeweiligen Begleiter*innen im Laufe der Serie noch öfter zu hören bekommen.
  • Toll beim “Rewatch”: Zu entdecken, wo überall die Worte “Bad Wolf” auftauchen bzw. vom bösen Wolf gesprochen. (Erstmals ist es mir in einem Gespräch zwischen Rose und Gwyneth in Folge 3 aufgefallen.)
  • In Folge 4 gibt es die erste Begegnung mit Harriet Jones, gespielt von Penelope Wilton – eine herrlich originelle Figur, die auch in späteren Folgen auftaucht.
  • Da ich hier mehrfach den Doctor Who-Ableger Torchwood erwähnt habe, ein “fun fact”, der mir lange nicht aufgefallen ist: Die Titel beider Serien bestehen aus denselben Buchstaben.
  • Spannend finde ich, dass zu den Folgen von Staffel 1, bei denen ich nicht das Bedürfnis hatte, mir Notizen zu machen, auch das Finale gehörte. Vielleicht war dies auch nur beim zweiten Anschauen so, aber obwohl in dieser Doppelfolge viel passiert und insbesondere aufgeklärt wird, was es mit dem bösen Wolf auf sich hat, gehört sie nicht zu meinen Favoriten. Da gab es bessere Staffelfinalfolgen.

Soweit meine Notizen. Was sind eure Gedanken zur ersten Staffel von Doctor Who?

One ARD zeigt seit April 2017 jeweils am Dienstagabend “Doctor Who”. Gerade wird dort Staffel 1 wiederholt. Auf funk.net sind die jeweils gezeigten Folgen auch für einige Zeit online abrufbar, und zwar sowohl in der Synchronversion als auch im Original.

2 Kommentare

  1. Ich muss sagen, dass ich am Anfang vom Alter von Dr. Who abgeschreckt war. Ich meine, die Spezialeffekte und der Screen-Play sind der Zeit entsprechend, aber die Story hat mich dann doch schnell gepackt. Nach der ersten Staffel bin ich aber direkt zu den Staffeln mit Matt Smith als Doktor gesprungen, weil ich ihn als Schauspieler sehr mag. Wenn ich mich nicht täusche sind das Staffel 5 und 6 gewesen. Die Story ist immer noch gut, aber die Effekte viel besser und ich liebe ja Amy und Rory. Hast du Dr. Who eigendlich fertig geschaut? Was hältst davon, dass der neue Doktor eine Frau werden soll?
    Noch einen schönen Tag. 🙂

    • Ich habe bisher alle Staffeln von „New Who“ geschaut und bin schon sehr gespannt auf die neue Staffel. Ich finde es toll, dass der neue Doctor eine Frau ist und mag auch die Schauspielerin, die die Rolle übernimmt, Jodie Whittaker.

      Matt Smith war von Staffel 5 bis Staffel 7 der Doctor. Ich fand die Folgen mit ihm ganz gut, auch Amy und Rory, vor allem aber River Song. Mein Favorit ist aber bisher der 10. Doctor, gespielt von David Tennant, mit Martha Jones und Donna Noble als Begleiterinnen. Insbesondere „Martha“ Freema Agyeman hat es mir angetan, wegen ihr habe ich auch angefangen, Sense8 zu gucken. (Übrigens auch eine sehr empfehlenswerte Serie. ;))

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