Mein Serienjahr 2017: Meine zwei liebsten neuen Serien

Ulrike und Marco, die den tollen Podcast Die Seriensprechstunde machen, haben neulich gefragt, welche meine zwei liebsten neuen Serien 2017 sind. Ich habe den beiden dazu eine kurze Sprachnachricht aufgenommen, die in der aktuellen Episode zu hören ist.

Die Seriensprechstunde
Die Antwort auf die Frage ist mir gar nicht so leicht gefallen, wie ich zunächst erwartet hatte. Das lag allerdings weniger daran lag, dass ich 2017 keine Serien gesehen hätte. Das Gegenteil ist der Fall, wie ich u.a. hier geschrieben habe und in diesem Monat ja auch jeden Tag auf Facebook und Tumblr dokumentiere.

Vielmehr habe ich festgestellt, dass viele Serien, die ich 2017 neu angefangen habe zu gucken und richtig toll finde, bereits aus 2016 stammen und daher nicht als “neue Serien 2017” gelten. Hierzu gehören z.B. This Is Us, The Good Place oder auch Wynonna Earp. Unter den wenigen wirklich ganz neuen Serien gab es aber zum Glück auch einige Perlen. Zwei davon sind One Day at a Time und The Bold Type.

Da ich für die Seriensprechstunde nur kurz beschreiben sollte, was mir an den Serien gut gefällt, ich aber gern mehr erzählt hätte, hole ich das jetzt hier noch mal nach.

1. One Day at a Time

Eine Serie, die ich gleich zu Anfang des Jahres gesehen habe und bei der ich mir sehr schnell sicher war, dass sie zu meinen Serienfavoriten 2017 zählen wird, ist die Netflix-Produktion One Day at a Time.

Wie begeistert ich von der Serie war, hat mich selbst ein wenig überrascht, da ich eigentlich kein großer Fan von Sitcoms bin. Und One Day at a Time ist eine sehr klassische Sitcom, mitsamt Publikumsapplaus und Wohnzimmer-Set. Dass die Serie aber dennoch rasend schnell mein Herz erobert hat, liegt zum einen an den tollen, sympathischen Figuren, zum anderen an den Themen, um die es geht, und vor allem daran, wie sie adressiert werden – mit einer sehr gelungenen, ausgewogenen Mischung aus Humor, Wärme und Ernsthaftigkeit, dem jeweiligen Thema angemessen.

Eine Familie zum Verlieben

Im Mittelpunkt der Serie steht Penelope Alvarez, seit kurzem von ihrem Mann getrennt und alleinerziehende Mutter der Teenager Alex und Elena. Sie wird von ihrer Mutter unterstützt, der Exil-Kubanerin Lydia, die mit Tochter und Enkelkindern unter einem Dach lebt, was für alle Beteiligten nicht immer einfach ist. Und dann ist da noch Schneider, Vermieter, Nachbar und guter Freund der Familie.

In den 13 Folgen von Staffel 1 geht es nicht nur um die zwischenmenschlichen Beziehungen, Konflikte und Kabbeleien der Hauptfiguren untereinander, sondern die Serie scheut auch nicht davor zurück, aktuelle Diskurse der amerikanischen Gesellschaft aufzugreifen und zu beleuchten, wie z.B. illegale Einwanderung, Feminismus und Sexismus. Am Beispiel von Penelope und ihrem Mann Victor, die beide für die US Army bei Einsätzen in Kriegsgebieten waren, wird zudem gezeigt, wie Veteranen mit ihren teilweise traumatischen Erfahrungen umgehen und mit welchen Problemen sie nach ihrer Rückkehr zu kämpfen haben.

Tolle Coming-out-Geschichte

Last but not least geht es in One Day at a Time auch um das Thema Coming-out, das anhand von Penelopes Tochter Elena ganz wunderbar erzählt wird. Dabei wird nicht nur gezeigt, wie Elena nach und nach bewusst wird, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt und wie sie damit umgeht, sondern auch, was die Enthüllung ihrer Tochter für Penelope bedeutet. Weil sie ihre Tochter liebt, möchte sie sie unbedingt unterstützen, ist aber zunächst mit der Situation überfordert und unsicher, was sie fühlt. Es ist toll, dass die Serie auch dieser Ambivalenz Raum gibt, wobei zum Schluss jedoch sehr deutlich gemacht wird, dass Penelope voll und ganz hinter ihrer Tochter steht.

Elena und Penelope Alvarez - One Day at a Time

Elena (Isabella Gomez, links) outet sich bei ihrer Mutter Penelope (Justina Machado)

2. The Bold Type

Die zweite Serie, die ich Ulrike und Marco genannt habe, ist in Deutschland bisher nur wenigen bekannt. The Bold Type ist, anders als One Day at a Time, als Dramaserie konzipiert und lief im Sommer beim US-Sender Freeform.

Auch bei The Bold Type war ich überrascht, wie sehr mir die Serie gefallen hat. Denn die Beschreibung – drei Freundinnen, die in New York bei einem angesagten Frauenmagazin arbeiten – erinnerte mich zu sehr an Sex and the City, eine Serie, mit der ich leider nie etwas anfangen konnte.

Dass ich The Bold Type dennoch eine Chance gegeben habe, hatte vor allem zwei Gründe: Sie wurde mir von einer Freundin empfohlen, die einen sehr ähnlichen Seriengeschmack hat wie ich. Und es gibt in der Serie eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen. Und wie mir das schon mit so mancher Serie gegangen ist, war es auch hier: Ich fange wegen der Lesben an zu gucken und stelle dann erfreut fest, dass der Rest auch ziemlich gut ist.

Viel City, ein bisschen Sex und Frauen bei der Arbeit

Die Hauptfiguren von The Bold Type sind Jane, Kat und Sutton, die bei Scarlet, so der Name des Magazins, unterschiedliche Tätigkeiten haben: Jane ist Autorin, Kat Social Media Managerin und Sutton Assistentin einer der führenden Redakteurinnen, jedoch mit dem Wunsch, sich weiterzuentwickeln. In der Serie geht es vor allem um ihre Arbeit, ihre Karriere und Ambitionen. Die Tätigkeit für Scarlet vermischt sich jedoch auch immer wieder mit ihrem Privatleben.

So verarbeitet Jane Themen, die sie persönlich betreffen, in ihren Artikeln. Sutton hat eine heimliche Beziehung mit einem leitenden Manager bei Scarlet. Und Kat lernt durch ihre Arbeit Adena kennen, eine talentierte Fotografin, zu der sie sich nach und nach immer mehr hingezogen fühlt.

Stereotype gegen den Strich gebürstet

Was ich an The Bold Type sehr erfrischend finde: Dass die Serie mich immer wieder überrascht hat, weil sich bestimmte Geschichten oder auch Figuren anders entwickelt haben, als es typisch wäre. So hat beispielsweise Chefredakteurin Jacqueline zwar ein toughes, selbstbewusstes Auftreten, das mich spontan an die Figur Miranda Priestley in Der Teufel trägt Prada denken ließ. Bereits in der ersten Folge wird jedoch deutlich, dass sie ihre jungen Mitarbeiterinnen nicht quält und ausnutzt, sondern unterstützt und sogar als Mentorin für sie fungiert. Tatsächlich ist Jacqueline, großartig gespielt von Melora Hardin (Transparent), eine meiner Lieblingsfiguren.

Ebenfalls eine sehr spannende Figur ist Adena. Sie trägt ein Kopftuch und bezeichnet sich selbst als “proud Muslim lesbian” – im heutigen Amerika für manche gleich eine doppelte Provokation. Anhand ihrer Figur zeigt die Serie, wie schwierig es für Minderheiten in dem Land aktuell ist, noch dazu, wenn sie keine Staatsbürgerinnen sind, aber auch, wie selbstbewusst man mit der Situation umgehen kann.

Hat ihre Liebe eine Chance? Kat (Aisha Dee, links) und Adena (Nikohl Boosheri)

Unterhaltung mit Tiefgang

Wie bei One Day at a Time gefällt mir an The Bold Type, wie die Serie es schafft, Spaß und Ernsthaftigkeit in ein ausgewogenes Verhältnis zu setzen. Es gibt heitere, ausgelassene Momente, vor allem zwischen den drei Freundinnen, die sehr unterhaltsam sind. Und es gibt Momente, in denen einem überhaupt nicht zum Lachen zumute ist, ganz im Gegenteil. Ein solcher, bei dem ich sehr schlucken musste, steht im Zusammenhang mit dem Thema sexuelle Gewalt. Die Szene genauer zu beschreiben, wäre zu sehr gespoilert. Nur so viel: Es ist eine der schmerzhaftesten, aber auch stärksten und berührendsten Szenen in Staffel 1, die für mich letztlich den Ausschlag gegeben hat, The Bold Type als meine zweite liebste neue Serie 2017 zu nennen.

Dass ich mit meiner Meinung zu One Day at a Time und The Bold Type nicht ganz allein bin, zeigt sich u.a. daran, dass beide Serien verlängert wurden. Die zweite Staffel von One Day at a Time wird am 26. Januar 2018 auf Netflix veröffentlicht. Und von The Bold Type wurden gleich zwei weitere Staffeln geordert.

Hier ist noch einmal der Link zur aktuellen Folge der Seriensprechstunde. Um “meine” Serien geht es ab ca. 5:15.

S02E10 Seriensprechstunde – Serienrückblick 2017

Was waren denn eure liebsten Serien 2017? Ich würde mich über Antworten in den Kommentaren freuen.

1 Kommentar

  1. Pingback: RR026: One Day at a Time

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.